Was ist die Bewegung 136?

Die Bewegung 136 ist eine Bürgerinitiative, die sich der Privatisierung der Wasserversorgungs- und Kanalisations-Gesellschaft von Thessaloniki widersetzt und dagegen ein soziales Management  durch  Genossenschaften auf nachbarschaftlicher Ebene vorschlägt.

In Griechenland erleben wir eine außer‑ gewöhnliche Situation, in der die Staatsschulden zum Vorwand genommen werden, öffentliche Güter und Dienstleistungen zu privatisieren. Am 9. Februar wurde vom griechischen Parlament das zweite Memorandum zur "Rettung" von Griechenland, wie es genannt wurde, verabschiedet. Durch dieses Gesetz wurden alle Privatisierungsverfahren, die vor 8 Monaten (Juni 2011) verabschiedet wurden, beschleunigt; sie verursachen unter anderem den raschen Rückgang des Lebensstandards der griechischen Bürger und die Veräußerung unseres nationalen Reichtums. Unter der Ägide des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Kommission hat die Regierung, neben vielen anderen Maßnahmen, die Teilveräußerung der Wasserversorgungs- und Kanalisations-Gesellschaft von Thessaloniki (EYATh) öffentlich ausgeschrieben, obwohl es ein effektives und profitables Unternehmen ist, das hochwertige Wasser-Dienstleistungen zu erschwinglichen Preisen bietet, ohne Verluste zu machen.

Die Regierung beabsichtigt zunächst die Aufteilung in zwei Unternehmen, die erste als Management und Zahlungsverkehrs‑ abwicklungs-Unternehmen, die  zweite für Infrastruktur und Wartung, mit dem Ziel, die erste, profitable, in einer öffentlichen Ausschreibung zu verkaufen, während die zweite in staatlicher Hand bleiben soll.
Gemäß dem neuen Gesetz soll eine 40%-Beteiligung und Verwaltung der öffentlichen Wasserversorgungs- und Kanalisations-Gesellschaft von Thessaloniki (EYATh) bis Mai nächsten Jahres für den Verkauf freigegeben werden.

Die EYATh hatte in den letzten [5] Jahren 75 Millionen € Gewinn, während der Verkaufspreis, nach dem Zusammenbruch der Aktie den Wert von 55 Mio. € Gewinn nicht überschreitet. Im Jahr 2010 betrug der EYATh-Gewinn 12,4 Mio. €, im Jahr 2011 dann 20,18 Mio. €. Wieder einmal erblicken wir die Umsetzung des Modells "Privatisierung der Gewinne, aber Sozialisierung der Verluste."

Wasser ist das höchste Gut, das uns von der Natur gegeben ist, und die Vereinten Nationen haben erkannt, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein Menschenrecht ist. Laut jüngsten Umfragen lehnen die Menschen Privatisierung von Wasser ab. Nun ist auch der Mythos der "Effizienz" der privaten Verwaltung zusammengebrochen, nachdem Dutzende von wissenschaftlichen Studien zeigten, dass in der ganzen Welt dort, wo privatisiert wurde, eine Verschlechterung der Wasserqualität, vermehrter Wasser-Verlust, eine Beeinträchtigung der Infrastruktur und steigende Preise das Ergebnis waren.

Neben der Verteidigung der Wasserversorgung in unserer Stadt Thessaloniki wollen wir [darüber hinaus] die Alternativen fördern, die die Bürger der Stadt und die griechischen Menschen unter den gegenwärtigen Bedingungen einer allgemeinen Krise ergreifen können, um ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Dies kann unseres Erachtens am Wirksamsten durch eine genossenschaftliche und solidarische Bewegung mit Achtung der Umwelt erreicht werden.Eine gemeinwirtschaftliche Bewegung, die durch ihr Reden und die tägliche Praxis einen alternativen Plan zu dem kapitalistischen ermöglicht. Ein produktives und wirtschaftliches Modell mit einer Kombination von kollektivem Eigentum und Anreizen für den Einzelnen. Das nachhaltige Wassermanagement ist der Kern einer solchen Initiative, die durch öffentliche, gemeinnützige, demokratische Nutzung unter sozialer Kontrolle die Umwelt respektiert und natürliche Ressourcen schont.

Wenn man den geschätzten Wert der EYATh durch die Anzahl der Wasserzähler, d.h. der Anzahl der Benutzer teilt, erhalten wir als Ergebnis die symbolische Zahl von 136 €. So wurde die Idee der 136er-Bewegung wurde im Sommer 2011 geboren.
Es war das Ergebnis von Diskussionen während des vorangegangenen Zeitraums unter den "Empörten" am Weißen Turm in Thessaloniki, in Europa und der Welt besser als "Indignados" bekannt. Am 10. August 2011 beschlossen die Mitarbeiter der Wasser- und Abwasser-Gesellschaft von Thessaloniki (EYATh AG), Gruppen in der Stadt wie auch einfache Bürger, dass wir nicht zulassen wollen, dass mit dem Trinkwasser gespielt wird, welches wir und unsere Familien trinken. Wir werden keinem Interessenten, in- oder ausländischen, erlauben, ein Geschäft mit unserem Wasser zu machen und mit der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt in unserer Region ein Spiel zu treiben. Das Eigentum an der Gesellschaft EYATh ist eine Angelegenheit der Bürgerinnen und Bürger von Thessaloniki.

Wir beschlossen, uns in einem gemeinsamen Kampf unter dem Namen "136er Bewegung" zu vereinen, deren Ziele sind:

• Die Übernahme von 40% [also des eigentlich zu privatisierenden Anteils] und des Managements von EYATh durch die Bürger.

• Die soziale Kontrolle der Wasserqualität in der Stadt.

• Das demokratische Funktionieren der Gesellschaft EYATh.

• Die EYATh als Non-Profit-Unternehmen aufzustellen, das Sozialpolitik und Umweltschutz kombiniert.

Zu diesem Vorhaben luden wir alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich aktiv zu beteiligen. Wir kontaktierten alle Bürgermeister und  Gemeinderäte der Stadtteile von Thessaloniki wie auch viele Sozial- und Berufsverbände. Die große Mehrheit unterstützt unsere Bewegung, die sich am 28. November 2011 öffentlich präsentierte. Es haben sich viele Genossenschaften in der Region gebildet, Tausende von Mitgliedern haben sich eingetragen. Es ist nun klar, dass der einzige Weg, um die Gemeingüter zu verteidigen, der des gesellschaftlichen Managements und der Solidarität ist.

Kontaktieren Sie die Bewegung 136 am info@136.gr
 

Link zum Interview aus Radio Dreyeckland 102,3 mhz
 

21/01/13 13:32

Aus Radio Dreyeckland 102,3 mhz: Es ist inzwischen keine Neuigkeit mehr, wie sehr die griechischer Bevölkerung unter dem Anti-Krisen-Sparkurs leidet, den ihr die eigene Regierung und die EU auferlegt hat. Aber nur vereinzelt wird gewürdigt, auf welche Weisen die Menschen sich in den...

08/08/12 20:01

Die Bewegung 136 ist eine Bürgerinitiative, die sich der Privatisierung der Wasserversorgungs- und Kanalisations-Gesellschaft von Thessaloniki widersetzt und dagegen ein soziales Management  durch  Genossenschaften auf nachbarschaftlicher Ebene vorschlägt.